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Andacht

Sommergedanken – Urlaubsanregung

Braucht es eigentlich in der Sommerzeit einer Ermutigung zum Reisen? Schließlich ist es ja für die meisten Menschen bei uns die favorisierte Zeit, in den Urlaub zu fahren.
Es ist nicht nur meteorologisch die Zeit, um “raus zu kommen” aus der Gewohnheit und dem Alltagsumfeld. Die Chance die immer schon vorhandenen und bestimmenden Gedankenkreise zu verlassen, hat etwas befreiendes und entlastendes.
Es ist die Möglichkeit, Neues zu entdecken, Unbekanntes kennen zu lernen, den Horizont zu erweitern. Manche Menschen hingegen verzichten bewusst oder freiwillig auf die Anstrengungen einer Ortsveränderung, weil sie entweder im beruflichen Alltag sowieso schon immer “auf Achse sind” und selten daheim mit ihrer Familie und schon lange auf die Zeit gewartet haben, endlich mal anzukommen, daheim zu sein, Zeit zu haben. Andere können sich diesen finanziellen Aufwand zu reisen, auch nicht leisten. Oma und Opa, Verwandte und Freunde oder der eigene Garten sind dann eine hilfreiche Alternative, um etwas zu entspannen und auf andere Gedanken zu kommen. Abstand gewinnen und Platz für neue oder andere Gedanken offen werden, das ist schon auch so möglich.

Der Monatsspruch für Juni 2018 aus dem Hebräerbrief 1, 2+3 ist für mich in diesem Sinn eine Aufforderung und hoffnungsvolle Ermutigung: “ Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.”
Ob ich nun selbst unterwegs bin oder ob sich bei mir unvorhergesehen zufällig Gäste einstellen, ein Grundgedanke des Urlaubs wird mir darin deutlich. – Urlaub bedeutet offen sein und Freiraum haben für andere Gedanken und Gewohnheiten. Natürlich gibt es auch den bewussten Urlaub des Faulenzens, am Strand liegen oder ganz allein ,aktiv) segeln oder durchs Gebirge wandern. Aber immer geht es doch um einen sonst nicht möglichen Perspektivwechsel in meinem Lebensalltag.

Der Monatsspruch beschreibt für mich eine Form dieser wichtigen Erfahrungen und Gründe für dieses Aufbrechen, wie es z.B. als Pilgererfahrung der Gäste auf dem sächsischen Jakobsweg auch bei uns ab und an mal ankommt. Unterwegssein, ob nun als Gast oder Gastgeber ist eine Bereicherung. Wir verlassen die gewohnten Wege und Gedankenwelten und nehmen sie wie einen Baustein mit und bringen sie irgend woanders wieder ein. Es ist eine Botschaft, die jede/r in seinem Leben und mit sich trägt. In der neuen, nicht gewohnten Begegnung hat diese plötzlich einen ganz anderen neuen Stellenwert und Platz. Eine neue, vielleicht viel gewichtigere Bedeutung kann sich dadurch entfalten. Der Blick, auch der eigene, kann sich durch diesen Standortwechsel befreiend verändern und erweitern.

Engel, wie sie der Hebräerbrief benennt, sind solche “reisenden Boten” mit ganz neuen Erfahrungen und Botschaften. Das ist für mich oft auch selbst ein wichtiger Grund, auf Reisen zu gehen. Es geht um die oft ganz andere und neue Begegnung mit Lebenswirklichkeiten und Menschen. Ein echter Zugewinn an Perspektiven und Deutungen auch meines eigenen Lebens. Das ist auch eine Ermutigung für die unvorhergesehene Begegnung mit Menschen, die bei uns ankommen, für unsere heutige hochbrisante politische Diskussion um Flüchtlinge und Globalisierung. “Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.”

Ob Ihr nun “Gastgeber” oder “Gäste” seid, diese belebende Erfahrung wünsche ich uns allen
für diese Sommerzeit, um der Gottesbotschaft ganz neu und mit offenen Augen zu begegnen.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler