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Andacht

“Energie-Orte”

Mir wird mehr und mehr bewusst, dass ich lebenslang auf der Suche bin, Orte zu finden, an denen ich
Kraft auftanken kann. Ich weiss nicht, ob es Ihnen/Euch ähnlich geht. Dieser Gedanke beschäftigt mich gerade besonders. Mag sein, dass es mit meiner gesundheitlichen oder auch beruflichen Situation zu tun hat…?! Vielleicht liegt es auch an der Sommer-und Urlaubszeit.

Ich glaube, dass solche besonderen Energieorte für jeden Menschen wichtig und unverzichtbar sind.
Darum investieren wir einiges bei der Suche und Planung des Urlaubsortes und Urlaubsquartiers, aber
auch daheim lassen wir es uns bei der Gestaltung unseres Lebensortes und der Heimatgemeinde
einiges kosten, damit genügend Raum bleibt, um aufzuatmen und Kräfte zu schöpfen. Es geht um echte belebende Lebensorte, die jede/jeder nötig hat.
Mich erinnert diese Situation an viele biblische Geschichten auch aus dem Alten Testament; aus dem
Leben des Abraham oder auch des Jakob. Irgendwie waren gerade diese zeitlebens immer unterwegs.
Von einem Ort zum nächsten zogen sie, manchmal von einem Ruf Gottes bewegt, manchmal auch von einer Gefahr getrieben, manchmal auch auf der Flucht wegen einer eigenen Schuld. So gingen sie von Lebensstation zu Lebensstation.

Als wollte uns deren Lebensgeschichte lehren: “Du bist noch nicht da, wo du ganz hingehörst!” Was ich allerdings bei vielen dieser Abrahams-und Jakobswege und -stationen auch oft entdecke, ist ein immer wiederkehrendes ähnliches Ereignis bzw. Erlebnis. Sei es auf dem Weg von Ur in Chaldäa über Haran nach Kanaan oder auch beim Auszug aus Sodom, sei es in der Oase bei Mamre oder auch zweimal auf der Flucht Jakobs ein nächtliches Ereignis. Sie haben auf ihren Wegen jeweils eine
ähnliche Begegnung an verschiedenen Orten. Von der immer staunend erzählt wird. Es begegnet ihnen Gott als Kraft oder in personenhafter Gestalt. Oft mit der staunenden Entdeckung kommentiert: “Hier ist ja ein Ort, an dem Gott ist und ich habe das gar nicht gewusst!” Im Unterwegssein erleben sie immer ganz unterschiedliche Orte als Energie-und Kraftorte, die ihnen neuen Schwung und Mut zum Leben geben.

Sinne ich darüber nach, so wird mir bewusst, dass vielleicht es auch für mein eigenes Leben ganz viele verschiedene solcher Orte gibt, an denen auf mich solche Gotteskraft-Impulse warten. Es kommt
vielleicht gar nicht so sehr darauf an, ständig nach dem perfekten Ort zu suchen, sondern wichtig ist
vielmehr, ob ich bereit oder offen genug bin, dass mir die Gottes-bzw. Lebenskraft begegnen kann. Der Jakobstraum verwendet für dieses Ereignis das Bild einer Himmelsleiter. Es geht bei diesen Kraftorten um die belastbare und tragende Verbindung zwischen mir und dem “Himmel” bzw. Gott selbst. Darauf will ich eigentlich an keinem meiner Orte verzichten. Ganz gleich wo ich gerade bin. Genauso wie Abraham und Jakob diese Erfahrung überall machen.

Ist das Phänomen Energieort vielleicht auch davon geprägt, dass diese “Himmelsleiter” zwar als Verbindung die Erde/ mich in meinem Leben erreicht, aber festgemacht ist sie am Ende doch oben im “Himmel” bei Gott …?! Eine solch Kraftverbindung kann dann allerdings nie umkippen. Sie kann zwar manchmal ins Schaukeln geraten, aber sie geht nie ganz verloren. Denn diese Verbindung wird von oben gehalten.

Zur 1200-Jahr-Feier des Klosters Münsterschwarzach gab es eine Kunstausstellung “Glaubenszeichen”.
Dort war im Altarraum der Klosterkirche eine raumhohe goldene Strick-Leiter des Künstlers Pater Meinrad Dufner zu sehen, an der Fußabdrücke von Mönchen befestigt waren (von unten bis oben).
Ein sehr anschauliches Bild finde ich. Das ermutigt auch bei meiner eigenen Suche nach Energieorten,
damit zu rechnen, dass es überall solche Kraft-Orte gibt, wo auch immer ich bin. Ich sollte nur mutig
genauer darauf achten und hoffen. Solche bereichernden Erfahrungen wünsche ich uns allen.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler